Pandemie, Profit und Ökospiritualität: Weltanschauungen im Kontext der Solawi Witzenhausen

Bei den Mitgliedern unserer Solawi wurde gerade ein Artikel diskutiert, in dem Witzenhausen aufgrund einiger kritischer Stellungnahmen zur Impfpflicht eine „esoterische und ökospirituelle Szene“ unterstellt, die „durchaus ideologische Überschneidungen mit rechtsoffenen bis rechtsextremen Siedlungsbewegungen“ habe.
Es wird auch aus einer nicht-öffentlichen Solawi-Mailingliste zitiert.

Da die Belltower-Redaktion befürchtet: „aus einer verkürzten Kapitalismuskritik wird schnell ein geschichtsrevisionistischer Antisemitismus“, sei noch eine tiefergehende Kapitalismuskritik als Lektüre empfohlen: „Pandemie und Profit - Kinderrechte und Kinderarmut im Coronakapitalismus“ von Prof. Michael Klundt (12.11.2020 junge welt):

Der Artikel im Belltower vom 16.11.2020:
www.belltower.news/rechtsoffene-esoterik-wo-oekospiritualitaet-auf-antiemanzipatorisches-gedankengut-trifft-106955/

Die Redaktion der ursprünglich aus dem Netz-gegen-Nazis hervorgegangene Web-Zeitung Belltower ist zunehmend aktiv gegen rechte Umtriebe bei sog. „Querdenken“-Aktivitäten in Sachsen betitelt in diesem Artikel aber gleich pauschal alle Kritiker*innen von Impfpflicht und Immmunitätsausweisen als rechten Lifestyle und rechtsoffene Esoterik.

Impfpflicht und Immunitätsausweise, die ein Redner in Witzenhausen hinterfragte, werden von der Belltower-Redaktion als „Erfindungen seiner Verschwörungen witternden Fantasie“ gesehen - mit beiden Ideen sich jedoch schon ganz offiziell der Deutsche Ethikrat beschäftigt:
„Mit Ausnahme eines Mitglieds befürwortet der Deutsche Ethikrat eine mit Tätigkeitsverboten sanktionierbare Impfpflicht für Berufsgruppen in besonderer Verantwortung.“ (S.87; Deutscher Ethikrat (2019): Impfen als Pflicht? Stellungnahme, Berlin. Anmerkung: die Ärztin Dr. Christiane Fischer hat ein sehr fundiertes Sondervotum formuliert und ist seit April 2020 nicht mehr Mitglied des Ethikrats)

Zu Bescheinigungen einer Immunität formulieren sogar die Befürworter zu einem möglicherweise späteren Zeitpunkt eine Stigmatisierung als Risiko: „Zudem wird befürchtet, dass die Einführung von Immunitätsbescheinigungen diejenigen diskriminieren oder stigmatisieren könnte, die keine Immunität nachweisen können, etwa in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Dabei könnten auch neue Formen der Ausgrenzung entstehen und soziale Spannungen vertieft werden.“ (Ethikrat 2020 S. 22)

Auch der jetzt und zu späteren Zeitpunkten solche Bescheinigungen ablehnende Teil des Etikrats befürchtet „die Gefahr einer Verstärkung bestehender Benachteiligungen und Risikodispositionen
bestimmter Personengruppen“ und „zudem die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, wenn etwa der Zugang zum Kaufhaus oder zu Kultur- und Sportveranstaltungen, die Reisefreiheit oder auch der Abschluss eines Arbeitsvertrags nur Personen mit Immunitätsbescheinigung gewährt würde.“ (S. 40; Deutscher Ethikrat (2020): Immunitätsbescheinigungen in der Covid-19-Pandemie. Stellungnahme, Berlin.)

„there are too many unresolved ethical concerns to support the use of immunity certification“ (Nuffield Council on Bioethics (2020): COVID-19 antibody testing and ‘immunity certification’. Rapid policy briefing, London.)

Hey ihr, ich zitiere hier mal den Absatz, der im Belltower auf mich Bezug nimmt und dann die Mail im Original, wie ich sie an die „Entschwörer“ geschrieben habe. Meine Aussage, auf die sich der Belltower bezieht, ist ganz unten im P. P. S… Möge sich jeder selbst ein Bild machen, wie das Ganze (schon seit Jahren) funktioniert, mit der Hassrede und der Verleumdung von regierungskritischen Zivilbewegungen. Mit fried- und liebevollen Grüßen
Anneke

Zitat Belltower:

Das ist leider kein überraschendes Statement, blickt man etwas näher auf diesen Personenkreis: Anneke Jostes zitiert online zum Beispiel gerne den Verschwörungsideologen Ken Jebsen und wirft in einer Mail an einen lokalen Mailverteiler, die Belltower.News vorliegt, der Amadeu Antonio Stiftung vor, „bestimmte Gruppen“ mit Staatsgelder zu „indoktrinieren“. „Habt ihr euch mal kritisch mit der Amadeu-Antonio-Stiftung auseinandergesetzt?“, fragt Jostes.

Meine Mail im Original (auf die ich von den „Entschwörern“ übrigens bis heute keine Antwort bekommen habe geschweige denn, dass sie sich mal namentlich zu erkennen geben):

Liebe „Entschwörer“,

wäre es möglich, dass wir uns mit Namen ansprechen? Alles andere finde ich im wahrsten Sinne des Wortes „befremdlich“.

Vorweg: Ich mache zunehmend die Erfahrung der „Informationsverweigerung“, also dass viele Menschen überprüfbare und verifizierbare Informationen nicht an sich heran lassen. Ich denke, es hat damit zu tun, dass es für viele Menschen überfordernd ist, weite Teile ihres Weltbildes und ihres Gesellschaftsverständnisses (incl. ihrer eigenen Rolle darin) in Frage zu stellen. Anscheinend ist es dann leichter, einige Menschen als „verrückt“ oder „unseriös“ (VT, an die jemand „glaubt“) abzustempeln, um ihnen nicht zuhören zu müssen. Wie anders ist es zu erklären, dass der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ auf Menschen angewendet wird, die alle ihre Angaben und Aussagen (im Gegensatz zur Regierung) begründen und sogar beweisen können und das dann von relativ vielen Personen übernommen wird?

Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir GfK über Inhalte/Primärquellen sprechen, um die missbräuchliche Verwendung des Begriffes „Verschwörungstheoretker“ als Kampfbegriff gegen fundierte System- und Herrschaftskritiker in unserem Austausch in jedem Fall auszuschließen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung wie ich sie mir wünsche und für sinnvoll halte, sähe dann wie folgt aus:

„Person XY sagt in Zusammenhang Z folgendes: „…“ Das finde ich problematisch weil …“ oder „diese Aussage kann einer Überprüfung nicht standhalten, wie anhand der Quelle A beweisbar ist“

Wenn ihr das nicht könnt oder wollt, macht für mich ein weiterer Austausch keinen Sinn, da für mich darin kein Erkenntnisgewinn liegt und parallel dazu habe ich auch nicht das Bedürfnis, andere von irgendwas zu überzeugen, für das sie nicht offen sind.

In eurem Text verwendet ihr sehr viele generalisierende Begriffe wie „Verschwörungstheoretiker“, „Antisemiten“, „die globale Rechte“ u. a… Ich sehe darin, neben der oben bereits erwähnten missbräuchlichen Verwendung der Begriffe, außerdem ein großes Risiko, in „Schubladen- und Feindbilddenken“ abzurutschen, auch deshalb ist es mir so wichtig, über konkrete Inhalte und Personen zu sprechen (Primärquellen). Es kann sonst leicht passieren, dass auf bestimmte Personen und Gruppierungen Inhalte projiziert werden, die diese gar nicht vertreten.

Beim „Schubladen- und Feindbilddenken“ wird die Sachebene darüber hinaus oft zum Stellvertreter für die eigentlichen dahinterliegenden ungelösten seelischen Themen, die ins Außen projiziert und dort „bekämpft“ werden. Dass das nicht funktioniert und zu endlosen „Scheindebatten“ führt, durfte ich leider schon viel zu oft in meinem Leben beobachten bzw. war selbst Teil davon. Ich für mich werde nach Möglichkeit keine Lebenszeit und -energie mehr darauf verwenden.

Mir persönlich haben folgende Bücher bzw. Ausführungen von Personen sehr dabei geholfen, dererlei Psycho-Spielchen bei mir und anderen zu durchschauen und Denk- und Verhaltensänderunen zu bewirken. Falls es euch auch interessiert:

„Gemeinschaftsbildung“ von Scot Peck, „Die Wahrheit beginnt zu zweit“ von Michael Lukas Möller und auch diese Tagesdosis von Rüdiger Lenz finde ich super:

Oder auch hier in diesem Beitrag geht Moshe Zuckermann sehr schön auf die Projektion der eigenen ungelösten Opferthemen auf die Juden ein:

Eine der wenigen inhaltlichen Bezugnahmen in eurem Schreiben ist die auf den „Judensternvergleich“ im Mai-Aufruf. Hier scheint der Unterschied zwischen einem Vergleich und einer Gleichsetzung vielleicht nicht klar zu sein? Hierbei geht es eben darum, getreu dem Motto „Wehret den Anfängen“, bestimmte Prinzpien zu erkennen, bevor es quasi „zu spät“ ist. Die Stigmatisierung und Ausgrenzung von als „Juden“ definierten Personen hat ja eine weitaus längere Tradition, welche m. E. überhaupt die industrielle Ermordung von Millionen von Menschen „möglich“ machte, in dem Sinne, dass es keinen ausreichend starken Widerstand gegeben hat, da es eben nichts „neues“ war, dass als Juden definierte Personen diskriminiert wurden.

Und auch der Zusammenhang mit dem Immunitätsausweis ist vielleicht noch nicht klar geworden: Herr Spahn hat diese Idee nicht aufgegeben, lediglich vertagt. Durch die Änderungen im Infektionsschutzgesetz und das Masernschutzgesetz sind bestimmte Personengruppen bereits jetzt und heute von den faktischen Konsequenzen eines Immunitätsausweises betroffen: impfkritische Menschen erleben drastische Grundrechtseinschränkungen, sie verlieren das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf freie Berufswahl und -ausübung sowie eine Einschränkung der Elternrechte. Wenn ihr das „ok“ findet, da ihr meint „Impfungen sind sicher und wirksam“ und Menschen, die das anders sehen (und mit Fakten begründen und z. T. beweisen können) verhalten sich unsolidarisch und sind „Gefährder“, bei denen es entsprechend „in Ordnung“ ist, ihnen einen Teil ihrer Grundrechte abzuerkennen, dann sind wir tatsächlich dramatisch anderer Meinung! Aber auch diese Meinung gestehe ich anderen zu, auch wenn ich mich dadurch gefährdet sehe bzw. konkret gefährdet bin.

Diese Mail schreibe ich nicht im Namen der Gruppe sondern in meinem Namen. Wie gesagt, bin ich gern zu einem persönlichen Treffen bereit, aber eben nur, wenn wir „GfK über Inhalte/Primärquellen“ sprechen.

„Ziel ist nicht die Beseitigung des Gegners sondern die Beendigung jeglicher Form von Gewalt“ Rüdiger Lenz

„Frieden meint alle - auch die Doofen“ Ken Jebsen

Herzlich

Anneke

P.S.: Hoffen lässt mich, dass ihr auf einen Text von Mausfeld verweist, der auf den Nachdenkseiten veröffentlicht wurde, diese stehen ja auch im Verdacht, Verschwörungstheorien zu verbreiten

P.P.S.: Habt ihr euch mal kritisch mit der Amadeu-Antonio-Stiftung auseinandergesetzt? Wie ist z. B. sichergestellt, dass diese, wenn sie nennenswert Geld von der Regierung bekommt, nicht dazu missbraucht werden kann, bestimmte Gruppen zu indoktrinieren? Könnte man ja mal ne Anfrage hinschicken?! Generell finde ich es wichtig, sich mal mit dem Aspekt des Staatsterrorismus zu beschäftigen, da fange ich auch grad erst mit an…

Ja, grade hier in Witzenhausen, wo auch die ökologischen Agrarwissenschaften sitzen, Fachbereich 11 der Uni Kassel, hervorgegangen aus einer Koloniaschule, darf besonders aufmerksam hingeschaut werden wer Hand in Hand durchs Dorf zieht oder durch Berlin oder Leipzig. Die Landwirtschaft ist halt weiterhin in Teilen nationalistisch, traditionell eingestellt. Holzauge, bleib wachsam.

Nationalistische und faschistische Haltungen zeigen sich leider auch verstärkt in kleinbäuerlichen Strukturen und Siedlungsprojekten. Und somit schauen sicherlich viele Menschen aus der Solawibewegung da genauer und kritisch hin.

Einrichtungen wie die Amadeu Antonio Stiftung tragen zur politischen Bildung und Aufklärung bei. Sie schaffen Diskussionsgrundlagen und sind ein wichtiger Gegenpol zu diesen immer sichtbareren Strömungen in Europa und Weltweit. Ich finde es wichtig, das es da einen politischen Willen gibt, solche Einrichtungen auch mit Steuergelder zu fördern.

Auch ich nehme eine Dezentralisierung – ich sag jetzt mal als Beispiel die Regionalisierung - als eine von vielen Chance wahr, einem unfairen Welthandel und den negativen Auswirkungen der Globalisierung entgegenzutreten - um Möglichkeiten aufzuzeigen wie wir klimafreundlicher, gerechter und naturnah handeln können. Auch finde ich es wichtig immer achtsam zu bleiben was unsere Mitbestimmung angeht und diese immer wieder einzufordern.

Aber da lauf ich nicht mit Reichsbürgern und stadtbekannten Nazigrößen durch Berlin und stürme die Reichstagstreppe. Geht`s noch?

Und klaro, die Grundrechte sind unverhandelbar – auch Artikel 2, das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Aber irgendwo hört für mich die persönliche Freiheit auch mal auf und Solidarität fängt an. Auch im Gesundheitswesen. Und ohne Reglementierung geht es nun mal nicht wenn so viele Menschen zusammenleben. Und vielleicht ist das ja unsere Problem??? Ein bisschen viele Menschen auf Raumschiff Erde ??? Ja, da machen sich halt schon mal Viren breit wenn die Lebensbedinungen für ALLE immer schlechter werden … - .

Ich weiß ja nicht was hier für Erwartungen im Raum stehen was die Kommunikation angeht. Ich kann hier keine wissenschaftliche Arbeit abgeben. Dafür fehlen mir die Möglichkeiten und auch die Zeit. Wenn ich aber mal rumserve und mir die ein oder andere Seite anschaue z.B. :

https://www.impfkritik.de/

empfinde ich solche Seiten als Angstmacherei.

Wertvoll ist das was wir hier machen auf jeden Fall. Daher besten Dank fürs Einrichten dieses Forums und danke an Alle die sich beteiligen.

Bunte Grüße

Jutta – Gärtnerin Solawi Freudenthal

Mein Verweis das in Witzenhausen eine Kolonialschule war, möchte ich bitte nicht falsch verstanden wissen.
Das ist lange her und im Fachbereich wird eine wertvolle Arbeit geleistet!
Daher möchte ich mich hiermit entschuldigen für diesen von mir, nicht mehr zeitgemäß hergestellten Zusammenhang. Da sind mit mir ein bisschen die Pferde durchgegangen - sorry!
Jutta

Hallo,
Juttas Hinweis auf die Kolonialschule ist berechtigt und kein Grund sich zu entschuldigen. Zu Beginn des Jahres gab es übrigens mehrere Workshops zur Kolonialgeschichte in Witzenhausen, an dem ich teilweise mit beteiligt war.
Im Rahmen eines Projektes des Hessischen Rundfunks traf sich eine Gruppe von Leuten, um sich über koloniale Strukturen damals und heute auszutauschen. Wen interessiert, was dabei herausgekommen ist, kann die Ergebnisse auf der hr-Website nachlesen und nachhören:

Viel Spaß und Grüße!
Susanne

Hallo,

ich wollte mit dem obigen Beitrag nicht gesagt haben, das Annecke oder Nanti rechtsoffen, antisemitisch, esoterisch oder sonstwie böse sind. Über Gandalf Lipinski kann ich nicht urteilen, weil ich ihn nicht kenne.
Ich finde es im Gegenteil gefährlich, mit solchen Begriffen inflationär um sich zu werfen, wie es Antifa-Leute ja gerne immer wieder mal tun. „Wehret den Anfängen“ - schön und gut, aber die Meinungen sind vielfältig - und nicht alle Menschen mit abweichenden Meinungen sind unbelehrbare Nazis oder Q-Anon-Anhänger. Wie bezeichne ich dann einen echten Reichsbürger, Nazi oder Faschos - und woran erkennt man die eigentlich? Optimalerweise an der Reichskriegsflagge, oder die Fahne mit dem Q, die sie für gewönlich bei sich tragen…

Ich finde es aber ein Armutszeugnis, dass die/der Autor(in) des Artikels in Bell Tower(https://www.belltower.news/rechtsoffene-esoterik-wo-oekospiritualitaet-auf-antiemanzipatorisches-gedankengut-trifft-106955/ ), Personen namentlich beschuldigt, selber aber in der Deckung der Anonymität verbleibt. Ist sie/er zu feige, dafür persönlich gerade zu stehen? Ich weiß nicht, wer sich hinter der Amedeu-Antonio-Stiftung verbirgt, aber ob Amedeu Antonio, der ja selber von Nazis zu Tode geprügelt wurde, mit dieser Vorgehensweise einverstanden gewesen wäre, wage ich gerade zu bezweifeln.

Witzenhausen ist weiß Gott kein rechtsoffenes Kaff. Und als Antisemiten haben sich in den 25 Jahren, die ich hier lebe, die Wenigsten geoutet. Natürlich lebt hier ein bunter Haufen Anders- und Querdenkender - das war schon lange vor Corona so. Und das Parimal in Hübenthal, aus dem Einiges aus der Eso-Szende hier rüber schwappt, ist eben auch nicht weit. Aber jeder, der sich als Rechts zu erkennen gibt, hat einen schweren Stand. Vor 2 Jahren wollten mal 2 AfD-Leute einen Info-Stand auf dem Marktplatz machen, die haben nach wenigen Minuten ihren Kram zusammen gepackt und sich verdünnisiert, weil sie dazu genötigt wurden.

Es ist alles gerade nicht so einfach: Da sind die bösen Rechten mit Ihrer Impfkritik und ihren Demos - und ich distanziere mich von allem, akzeptiere den Lock Down ohne Murren und Knurren. Meine Einkommenssituation opfere ich selbstverständlich dem großen ganzen Gemeinwohl. Das ist schon okay. Die da oben werden schon wissen, was das Richtige ist. Wer kann schon von sich sagen, dass er/sie zu 100 % diese Haltung übernimmt? Mit dem üblichen Schwarz-Weiß-Denken - Du rechts - ich links - kommt man jetzt immer weniger weiter, finde ich. Das scheinen die Belltower-Leute nicht begriffen zu haben. Sie verharren seltsam starr in den alten Denkmustern. Dabei sind sie selber natürlich immer die „Guten“, die vor der braunen Gefahr warnen.

Ich würde mich weder als rechtsoffen bezeichnen, noch als esoterisch oder antisemitisch noch anti-emanzipatorisch.

Trotzdem macht es mich wütend, wenn Lufthansa und andere Reisegiganten wegen Corona-Ausfällen mit Millionen gesponsert werden. Dann gehen Umweltverschmutzung und Kapitalismus immer so weiter - jetzt nur unter verschärften Corona-Bedingungen, die vor allem für die anderen gelten. Die Linke war doch sonst immer so systemkritisch - jetzt wird es seltsam still um sie - bis auf ein paar Antifa-Leute, die Grafitti an die Wände sprühen, wilde Behauptungen ins Netz stellen, und natürlich Sahra Wagenknecht, die unermüdlich mahnt und mahnt.

Kapitalismunskritik, einst eine linke Domäne, wird jetzt von anderen Gruppen geübt. Menschen, die davon betroffen sind. Wer will ihnen das verbieten oder verübeln?

Bei dem Treffen für die Listenaufstellung der AfW-Bunte Liste für die März-Wahlen kam gestern die Frage auf, wie wir uns am besten gegen Rechts abgrenzen? Wenn die Rechten „unsere“ Themen besetzen, sollen wir die dann fallen lassen? Wir wollen uns ja nicht vor deren Karren spannen lassen.

Z. B. Werra-Versalzung. Björn Höcke ist auch dagegen. Also lassen wir K+S in aller Ruhe weiter Salz in die Werra einleiten? Oder was?

Oder ökologischer Landbau: Da sind die Völkisch Denkenden, die in ihrer eigenen Blase schwimmen und keinen fremden, anders Ausssehenden in ihre Öko-Siedlungen lassen. Finde ich deswegen Ökolandbau doof?

Zur Impfkritik, die angeblich nur aus der spirituellen Eso-Szene kommt: Stimmt es etwa nicht, dass sich beim Wettlauf um den besten Impfstoff die Pharma-Unternehmen fette Gewinne versprechen und auch einfahren werden? Und wenn ein Impfstoff normalerweise jahrelang getestet werden muss, warum stehen dann im Dezember schon die ersten Impfstoffe zur Verfügung? Impfforschung im Schweinsgalopp? Auch mich macht das mistrauisch. Und am meisten vermisse ich dazu eine eindeutige Stellungnahme der Linken. Gerne lasse ich mich belehren.
Grüße von
Susanne